Grüne empfehlen Genossenschaftsmodell

Am „Grünen Aschermittwoch“ in Hainert gab es neben marinierten Heringen auch einiges zu diskutieren. Vor allem die geplante Photovoltaikanlage entlang der A 70 bestimmte den von den Grünen (rechts Gemeinderat Peter Werner) initiierten Abend.

Politischer Aschermittwoch: Unmut in Hainert wegen geplanter Photovoltaikanlage an der A 70

Knetzgau/Hainert   Mit rund 20 Besuchern recht ansehnlich gefüllt war der Grüne Bürgerstammtisch am Aschermittwoch in Hainert. Die Knetzgauer Grünen hatten zum Fischessen eingeladen und nutzten die Gelegenheit, mit den anwesenden Hainertern in erster Linie über die Gemeindepolitik zu diskutieren.

Unerwartete Aktualität erfuhr der Bürgerstammtisch durch den von einem Investor geplanten und im Knetzgauer Bauausschuss bereits vorbehandelten Photovoltaik-Streifen entlang der A 70. Gemeinderat Peter Werner und Kreisrat Matthias Lewin von den Grünen sowie der Hainerter Ortssprecher Florian Storch (Junge Liste) bekamen dabei trotz der grundsätzlichen Bekenntnis zu Erneuerbaren Energien auch Argumente gegen dieses Projekt zu hören.

Die geplante Photovoltaikanlage auf Hainerter Gebiet würden so vor allem landwirtschaftliche Flächen verkleinern, die nur eine geringe Entfernung zu den jeweiligen Höfen der Pächter und Besitzer aufweisen. Damit brächte dieses Projekt auch einen wirtschaftlichen Verlust für die Landwirte, die diese Flächen als Pächter bewirtschaften. Dieser Verlust sei durch die Abfindung für die Auflösung des Pachtvertrages nicht aufzufangen.

Die Grünen, von Natur aus grundsätzlich für die Erzeugung Erneuerbarer Energien, erinnerten allerdings daran, dass dieses Projekt nicht von der Kommune aus gesteuert wird, sondern ein privates „Geschäft“ zwischen den Grundstückbesitzern und einem Investor darstellt. Insofern hätte die Politik abgesehen von der vorzunehmenden Nutzungsänderung und Bebauungsplanänderung wohl nur geringen Einfluss auf die Planungen.

Werner und Lewin, die beide davon ausgehen, dass das Projekt wohl schon weiter fortgeschritten ist als allgemein bekannt, empfahlen den Betroffenen Landwirten daher, die Grundstücksbesitzer, Pächter sowie den Investor möglichst rasch – am besten noch vor der angekündigten Bürgerversammlung zu diesem Thema – an einen Tisch zubringen, um möglichst eine Energie-Genossenschaft ins Leben zu rufen, mit der die finanziellen Verluste für die Pächter zumindest teilweise über Genossenschaftsanteile wieder ausgeglichen werden könnten. Mit dieser Genossenschaft könnte in einem weiter gehenden Schritt auch die bereits angedachte Wärmeversorgung des Dorfes über die bestehende Biogasanlage realisiert werden.

Wie sehr die Thematik die Gemüter in Hainert bewegt, verdeutlichte die Tatsache, dass die Diskussion bis kurz vor Mitternacht geführt wurde. In Hainert herrscht Angst, dass dieses Projekt das „Dorf spaltet“, weil einige Wenige finanziell davon profitieren könnten, während andere „leer ausgehen, aber mit der Anlage leben müssen“.

„Umso mehr wäre die Gründung einer Genossenschaft mit Bürgerbeteiligung, aber auch die Teilnahme der Gemeinde Knetzgau als Anteilshalter wichtig. Somit bliebe wenigstens ein Teil der Wertschöpfung in unserer Kommune, “ regte Peter Werner an.

Einig waren sich allerdings alle Anwesenden, dass Photovoltaikanlagen am besten auf Hausdächer installiert werden sollten. „Diese Flächen sind bereits versiegelt und bieten genügend Platz, damit sich die Hausbesitzer mit ihrem erzeugten Strom zumindest selbst versorgen können“, appellierte Peter Werner in diese Richtung, kritisierte aber in diesem Zusammenhang auch, dass die Dreiberg-Schule in Knetzgau nach ihrer Sanierung weiterhin auf Photovoltaik verzichten muss.

Dass grundsätzlich mehr in die Forschung zur Stromspeicherung investiert werden muss, auch wenn sich auf diesem Gebiet schon einiges getan hat, war für alle Anwesenden ein absolutes notwendiges Zukunftsprojekt, um die Grundversorgung mit Energie zu garantieren. Lewin setzt dabei große Hoffnung in das „Power-to-Gas-Projekt“. Hierbei wird überschüssiger Strom aus Windrädern in Methan umgewandelt, ins bereits vorhandene Gasnetz eingespeist und bei Bedarf vor Ort über Gasturbinen verstromt.

Abschließend ging Peter Werner noch auf die Asylproblematik ein, die mittlerweile auch die Gemeinde Knetzgau erreicht hat. Er warb um Unterstützung für die Flüchtlinge sowie für die von der CWG Knetzgau initiierte Gründung eines „Freundeskreises Asyl“ in Knetzgau. Bürgerinnen und Bürger, die mithelfen wollen, den Flüchtlingen im Gemeindebereich das Leben ein wenig zu erleichtern, sind am Mittwoch, 4. März, ab 19.00 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Knetzgauer Rathauses willkommen.

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