Grüne wollen mehr Zeit und mehr Informationen

Geplante Schließung der Geburtstabteilung im Haßfurter Krankenhaus soll auf den Prüfstand


Bereits am 6. Juni soll der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken entscheiden, ob und wie es mit der Geburtsabteilung und dem Hofheimer Krankenhaus weitergeht. Aus Sicht der Grünen ist die Tragweite dieser Entscheidung so gewaltig, dass nicht der Verwaltungsrat, sondern der komplette Kreistag diese Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt treffen sollte. Ein entsprechender Antrag der Grünen ist in Arbeit.
„Von der Bekanntgabe der beabsichtigten Schließung der Geburtsabteilung in Haßfurt und der Klinik in Hofheim bis zur entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrates sind es gerade einmal vier Wochen. Diese Entscheidung ist allerdings mit viel zu vielen Konsequenzen verbunden, als dass sie so kurzfristig und im nichtöffentlich tagenden Verwaltungsrat erfolgen sollte. Deshalb halten wir es für sinnvoll, die Entscheidung an den Kreistag zu delegieren. Die Kreisräte haben dann auch mehr Zeit, sich mit der Thematik, den zweifellos vorhandenen Problemen in den beiden Krankenhäusern zu befassen und öffentlich zu diskutieren“, so die Grünen.
Ausführlich diskutierten die Haßberg-Grünen bei ihrem Stammtisch am Donnerstagabend dieses Thema. Die Sichtweise der Hebammen erläuterten dabei zwei der zehn an den Haßberg-Kliniken angestellten Geburtshelferinnen, auch aus dem Hofheimer Krankenhaus war eine Krankenschwester der Einladung der Grünen gefolgt. Sie legten dar, mit wieviel Herzblut die Hebammen und Schwestern ihre Aufgaben wahrnehmen – und das weit über ihre Pflichten und die Regelarbeitszeit hinaus.
Auch deshalb haben die Hebammen in kürzester Zeit eine wahre Welle der Solidarität losgetreten. Unterschriftenlisten und eine online-Petition haben mittlerweile tausende von Unterstützern gefunden. „Die Unterstützung für die Hebammen ist dermaßen groß geworden, dass die Kommunalpolitik die angedachte Schließung unbedingt nochmals auf den Prüfstand stellen muss“, erhofft sich Grünen-Kreisrat Matthias Lewin mehr Informationen – auch zu möglichen Defiziten der anderen Abteilungen.
Es sei kein Geheimnis, dass die Haßberg-Kliniken nicht den besten Ruf genießen – allerdings mit Ausnahme der Geburtsabteilung. Die gestarteten Image-Kampagnen der Haßberg-Kliniken haben noch nicht gefruchtet. Dies funktioniere allerdings auch nicht von heute auf morgen, die Vorzüge eines Klinikaufenthaltes vor Ort bekannter zu machen, erfordere einen größeren Zeitraum. Hier sei es wichtig, gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten im Landkreis darum zu werben, dass mehr Patienten das Versorgungsangebot der drei Krankenhäuser im Landkreis nutzen – so wie es nach Aussage der Hebammen in der Geburtsabteilung zuletzt eindeutig der Fall war.
„Ein ,Kaputtsparen' ist jedenfalls definitiv der falsche Weg und führt als Konsequenz über kurz oder lang zu einem kompletten Aus der Haßberg-Kliniken“, ist für den Knetzgauer Gemeinderat Peter Werner die Schließung der Geburtsabteilung nicht die richtige Option.
Kreisrätin Rita Stäblein- selbst im Pflegeberuf seit Jahrzenten tätig - stellt frustriert fest, dass "durch die von Berlin aus vorgegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen es immer deutlicher auch im Gesundheitsbereich um das finanzielle Überleben einer Klinik geht. Wir vor Ort können leider nur das Beste aus den Gesetzesvorlagen machen, der Handlungsspielraum ist sehr, sehr begrenzt. Auch die strengen Vorgaben durch die Krankenkassen tragen mit zu der finanziellen Schieflage bei. Sehr oft kommt es vor, dass vom Krankenhaus erbrachte Leistungen nicht entlohnt werden – dies kann sich auf lange Sicht kein Betrieb erlauben. Seit Jahren gilt auch die politische Vorgabe ,ambulant vor stationär‘, wodurch ein Bettenabbau aktiv betrieben wird und wir vor Ort - Patienten und politisch Verantwortliche - die Konsequenzen (er)tragen müssen"
„Eine alleinige Konzentration der Haßberg-Kliniken auf ,gewinnbringende Patienten‘ erzeugt zwar positive Bilanzen, für die Gesundheitsversorgung sollten aber andere Regeln gelten,“ kritisiert Matthias Lewin die politischen Richtlinien des Gesundheitssektors.
Das Angebot der Haßbergkliniken, die zehn angestellten Hebammen als Pflegekräfte zu übernehmen, komme einer Umwandlung von Fachkräften in Hilfsarbeiter gleich. Der von den Hebammen eingebrachte Vorschlag, ein Belegsystem mit Ärzten und Geburtshelferinnen zu installieren, sei von der Klinikleitung hingegen nicht einmal diskutiert worden.
Die Grünen im Landkreis unterstützen zudem die Absicht der Hebammen, auf einer Kundgebung in Haßfurt für ihre Arbeit zu kämpfen.

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