BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Haßberge

Die Grenzen des Wachstums sind uns seid langem bekannt … und sie rücken schnell näher

MdL Paul Knoblach las Schlüsseltexte der ökologischen Bewegung bei den Haßberg-Grünen

Die jüngst eröffnete Kreisgeschäftsstelle soll auch als Kultur- und Begegnungsstätte fungieren. Diesem Anspruch folgend hatte die Kreisvorstandschaft der Haßberggrünen zur Lesung mit MdL Paul Knoblach eingeladen. Der Landtagsabgeordnete hatte sich vorgenommen, die Zuhörerinnen und Zuhörer im pandemiekonform besetzten Parteibüro auf eine Retrospektive zurück in die Gründungsjahre der ökologischen Bewegung in Deutschland mitzunehmen und stellte deswegen zwei Werke in den Mittelpunkt, die auch die grüne Partei sowie ihre Mitglieder seit der Entstehungszeit und bis heute entscheidend geprägt und motiviert haben.

Knoblach bemerkte, dass das gegenwärtige Spektrum der politisch-ökonomischen Zeitschriften die Herausforderungen des Klimawandels aufgreife und der Leserschaft vermittle. Und dies täten nicht nur die klassisch ‘ökologischen’ Blätter, sondern auch eher ökonomisch orientierte Publikationen wie etwa die ‘Wirtschaftswoche’. Diese Entwicklung mache Hoffnung, so der grüne Landtagsabgeordnete, Hoffnung darauf, dass viele Menschen zumindest das Problem erkannt hätten und sich darüber Gedanken machten bzw. Wissen darüber sammelten, was es für zukünftige Generationen bedeuten wird, auf einem um mehr als zwei Grad erhitzten und in seiner Artenvielfalt und Biodiversität ausgeplünderten Planeten leben zu müssen.

“Ein Planet wird geplündert - die Schreckensbilanz unserer Politik” hieß denn auch der nächste Schlüsseltext aus dem Paul Knoblach vortrug.

Herbert Gruhl war der Autor dieses für die Ökologiebewegung wegweisenden Werkes - aus dem Jahr 1975! Der Autor hatte seine politische Ursprungsheimat bei der CDU, wurde jedoch zum wichtigen Wegbereiter für ökologische Politik in Deutschland und gehörte deshalb auch zu den Gründungsvätern und -müttern der Grünen.

Der wichtigste und bekannteste Text, zu dem sich der Referent schließlich vorgearbeitet hatte, ist naturgemäß das Werk “Die Grenzen des Wachstums”. Diese Studie, die von dem US-Ökonomenpaar Dennis L. und Donella Meadows im Jahr 1972 veröffentlicht wurde und zu den wichtigsten Publikationen ökologischen Denkens in der Neuzeit zählt, zeigte bereits vor fünf Jahrzehnten der Öffentlichkeit die planetaren Grenzen der Erde auf und kalkulierte in ziemlich genauen Simulationsrechnungen, wohin uns unser Streben nach schrankenlosem Wachstum führen würde -  in den Verlust von Biodiversität, in die Verschmutzung von Süßwasserressourcen, in eine für Mensch, Tier und Natur ungesunde Landwirtschaft, in eine außer Kontrolle geratene Erderwärmung.

Leider fand die vom wissenschaftlichen Club of Rome in Auftrag gegebene Studie nicht die erforderliche Beachtung außerhalb der ökologischen Bewegung und deswegen sehen wir uns derzeit mit den verheerenden Folgen unserer unbeschränkten Wachstumswirtschaft konfrontiert.

Paul Knoblach, selbst biologisch produzierender Landwirt, erkannte neben düsteren Entwicklungen jedoch auch Hoffnungsmomente. Das Wachstum der Erdbevölkerung lasse einschlägigen Studien zufolge erkennen, dass es seinen Höhepunkt erreicht habe und gegen Mitte des Jahrhunderts abnehmen dürfte. Weiterhin sah er eine Lösung der Probleme in einer ökologisch erneuerten Landwirtschaft, die in der Lage sei, auch neun bis zehn Milliarden Menschen auf der Welt hinreichend zu ernähren.

Nötig sei seiner Meinung nach ein Umdenken in unserem wirtschaftlichen Handeln, in unserem Verständnis von Wachstum. Letzteres sei gar nicht abzulehnen, ein Wachstum von Bildung, Wissen, menschlicher Solidarität, Pflege und Versorgung sei vielmehr durchaus begrüßenswert. Schädlich seien allerdings wirtschaftliche Wachstumsprozesse, die darauf basierten, die Biosystemleistungen unseres Planeten einfach zu verbrauchen, ja im wahrsten Sinne des Wortes zu verbrennen. Das Problem hierbei sei unser gesellschaftliches System, welches zerstörerische wirtschaftliche Prozesse auch noch fördere und damit die Wirtschaftssubjekte dazu motivierte, sich schädlich zu verhalten.

 

“Gesunde Menschen und gesunde Tiere gibt es nur auf einer gesunden Erde” lautete das Fazit des Gastreferenten am Ende seines Vortrags, an den sich eine lebhafte Debatte anschloss. 



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