BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Haßberge

Genügend Potenzial gegen das Ausbluten

Grüne zeigen anhand von offiziellen Fakten Hilfen für die strukturschwache Region Steigerwald auf

Hassfurt/Eltmann 21.01.2010 Was kann man tun, damit die Gemeinden im nördlichen Steigerwald nicht noch weiter ausbluten? Diese Fragen stellten sich am Donnerstag bei einem bezirksübergreifenden Treffen in Eltmann die Bündnisgrünen aus den Haßbergen sowie den angrenzenden Landkreisen Bamberg und Schweinfurt.
Immer mehr junge Menschen verlassen auf der Suche nach einer sicheren Zukunft ihre Heimat, die Dörfer im Steigerwald drohen zu veralten, die Ortskerne sterben aus, die Gemeinden sind verschuldet, der ÖPNV sowie andere öffentliche Einrichtungen nahezu nicht existent, Rauhenebrach muss seine Schüler mittlerweile sogar nach Eltmann schicken.
Dennoch werde mit der kategorischen Ablehnung des Nationalparks Steigerwald eine große Chance vertan, dem Steigerwald eine äußerst positive Perspektive zu bieten, waren sich die Grünen einig. „Die Strukturschwäche der gesamten Region könnte so behoben werden", belegte Andreas Lösche, Vorstandsmitglied der Bamberger Grünen anhand von Zahlen, die Ende letzten Jahres von der Bayerischen Landesregierung aufgrund zweier Anfragen des Grünen Landtagsabgeordneten Dr. Christian Magerl herausgegeben wurden. Diese Anfragen wurden außergewöhnlich ausführlich und genau beantwortet, was auf veränderte Ansichten im bayerischen Ministerium schließen lässt.
So erhielt der Naturpark Steigerwald im Jahr 2008 ganze 38 000 Euro an Fördermitteln, der Nationalpark Bayerischer Wald hingegen sei im selben Zeitraum mit gut elf Millionen Euro, der Nationalpark Berchtesgadener Land mit immerhin gut sechs Millionen Euro gefördert worden.
Auch das vom Verein „Unser Steigerwald" immer wieder gern vorgebrachte Argument, der Tourismus in den Nationalparks sei auf dem absteigenden Ast, konnte Lösche anhand der Untersuchung widerlegen: Im Bayerischen Wald seien 2008 rund vier Millionen Übernachtungen gezählt worden (Berchtesgadener Land 3,5 Millionen), während es im Naturpark Steigerwald lediglich 500 000 Übernachtungen gewesen seien, zumal diese 500 000 im Gegensatz zu den Nationalparks größtenteils „Tages-Touristen" gewesen seien.
Verstärkter Tourismus mache sich natürlich auch bei den Arbeitsplätzen bemerkbar, speziell in den Bereichen Gastronomie, Einzelhandel oder auch Dienstleistungen. Hier stehen einer offiziellen Halbtagsstelle Steigerwald 217 Angestellte im Bayerischen Wald gegenüber. Vom Tourismus könnte der Steigerwald also absolut profitieren, bei einer geschickten Vermarktung sogar zu einer sehr wohlhabenden Region avancieren. Von „Urwald" oder „Steinzeit", was der Verein „Unser Steigerwald" so gerne ins Feld führt, könne also überhaupt keine Rede sein.
Auch Kreisrätin Rita Stäblein (Eltmann) blies in das Horn Tourismus: „Die Steigerwald-Region kann dem dramatischen Gewerbesteuerausfall durch gezielte Erschließung des Steigerwaldes für den Tourismus nachhaltig entgegenwirken. Arbeitsplätze werden in Zukunft eher im Dienstleistungsgewerbe entstehen, als in anderen Bereichen. Gleichzeitig wird die Wohn- und Lebensqualität für die einheimische Bevölkerung erheblich gesteigert."
Auch die Befürchtungen des Borkenkäfer-Befalls konnte Lösche ausräumen, denn der gefräßige Käfer befalle in aller Regel Nadelbäume, sein Laubbaum-Pendant, der „Buchdrucker", sei zwar im Steigerwald nachgewiesen, nennenswerte Schäden aber nicht bekannt. Ebenso brauche die hiesige Holzwirtschaft nicht um ihre Einnahmen zu fürchten, denn von der genutzten Fläche würden der Holzwirtschaft satte 80 Prozent weiterhin zur Verfügung stehen.
Einig waren sich die Grünen der drei Landkreise aber auch, dass derzeit eine sachliche Diskussion kaum geführt werden könne, da die Fronten viel zu verhärtet seien, so Walter Rachle, grüner Kreisrat aus Sennfeld. Man wolle nun Aufklärungsarbeit leisten. So bekommen in den nächsten Wochen alle politischen Mandatsträger sämtlicher Parteien und Gruppierungen aus dem Steigerwald die von der Bayerischen Regierung herausgegebenen Zahlen per Post zugesandt, um sich selbst ein objektives Bild machen zu können. Auch wird sich der Grüne Landes-Arbeitskreis Kultur im Sommer mit dem verstärkten Aufbau des kulturellen Angebotes im Steigerwald beschäftigen, wie die Schweinfurter Kreisrätin Birgid Röder ankündigte.
Ein weiterer, unabhängiger Arbeitskreis aus Mitgliedern der betroffenen Gemeinden wird sich laut Thomas Vizl, Grüner Stadtrat aus Gerolzhofen, dem Thema „Zukunft des Steigerwaldes - Hilfe für eine strukturschwache Region" widmen. Übereinstimmung herrschte in Eltmann darin, dass In den Analysen über ein Für und Wider eines Nationalparks die Sorgen und Ängste der Bevölkerung unbedingt mit aufgenommen werden müssten.